Fahrradtour von Schmelz nach Altenstadt anno Juli 2001

1. Etappe: Schmelz - Oberstein
Km: 73
Fahrzeit: 5h
Wind: Ost; 1-2

Pünktlich zum Weckerklingeln beginnt es zu regnen. Zunächst nieselt es nur schwach, doch kurz vor dem Start der 1. Etappe werden es richtig dicke Tropfen, begleitet von Blitz und Donner.

Die Abfahrt war für 8:30 Uhr geplant. Wir warten noch 15 Minuten und fahren um 8:45 Uhr, bei nasser Straße aber angenehmem Wetter (ca. 20° C und leichter Ost-Wind), in Schmelz los.

Der 1. Teil, ca. 1 Km, führt etwas ungemütlich an der B268 vorbei bis zum Ortsteil Schattertriesch. Von hier geht es verkehrsberuhigter über Orts- und Landstraßen nach Büschfeld, wo wir auf den Saar-Hunsrück-Radweg stoßen. Diesem gut ausgeschilderten Radweg folgen wir über Bardenbach, Dagstuhl, Lockweiler, Krettnisch und Primstal. Besonders das Teilstück zwischen Lockweiler und Primstal, ein gut zu fahrender, mit feinem Schotter gewalzter Radweg, ist ein Genuss für Radwanderer.

Bei Primstal verlassen wir den Saar-Hunsrück-Radweg und machen uns auf den beschwerlichen Aufstieg über Eiweiler bis nach Neunkirchen (Nahe). In Neunkirschen entdeckt Sebastian zum ersten mal das Hinweisschild des Nahe-Radweges. Dieses kleine gelbe Schild mit dem Rad wird uns die nächsten ca. 120 Km begleiten. Der Weg führt uns zunächst über Ortsstraßen und zum größten Teil über gut zu fahrende aber abseits gelegene Forst-Wirtschafts-Wege. Der Streckenabschnitt bis Birkenfeld ist sehr idyllisch und abwechslungsreich. Flache Passagen wechseln sich mit kleinen Steigungen und Abfahrten ab. Elegant werden wir durch Birkenfeld geleitet.

Verkehrsberuhigt jedoch mit einer erbarmungslosen Steigung führt uns der Radweg hinter Birkenfeld auf den Rimsberg (488m). Am Ortsausgang Richtung Nohen halten wir uns links und erreichen nach einer fantastischen Abfahrt den kleinen Ort Kronweiler. In Kronweiler sind wir wieder direkt an der Nahe und radeln über herrliche Radwege nach Frauenstein und etwas bergauf nach Hammerstein. Hinter Hammerstein werden wir nochmals, bei mittlerweile schwülen Temperaturen um die 30° C, eine lange Steigung hinauf gezwungen, um kaum oben angekommen, gleich wieder ins Tal nach Oberstein, unserem 1. Etappenziel, hineinzufahren.
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Nach dem wir uns in der, auf der rechten Bergseite gelegenen, Jugendherberge erfrischt haben erkunden wir noch etwas die reizvolle Stadt mit ihrer Felsenkirche, Burgen und Museum.













 

2. Etappe: Oberstein - Bingen
Km: 85
Fahrzeit: 4h 40'
Wind: Ost; 1-2

Ausgeruht und mit neuem Proviant vom örtlichen Bäcker in Oberstein, machen wir uns um 9:00 Uhr auf den Weg der 2. und längsten Etappe.
Die Orte Struth-Neuweg, Nahbollenbach "fliegen" fast an uns vorbei. Der Radweg verläuft nahe der Nahe und fast immer mit leichtem Gefälle. Der Wind ist wechselhaft und die Sonne lugt manchmal zwischen den Wolken hindurch. Trotz der starken Gewitter in der Nacht, sind die Wege trocken. In Erwartung der schlecht Wetterfront radeln wir heute morgen etwas zügiger an den Ortschaften Weierbach, Fischbach und Bärenbach vorbei. Selbst die reizvolle Innenstadt von Kirn mit ihrem Whisky-Museum und der Kyrburg verlangsamte nur etwas unsere Geschwindigkeit konnte uns jedoch nicht zu einem Halt überzeugen. Erst auf halber Strecke zwischen Hochstetten-Daun und Merxheim legen wir eine kleine Pause ein. Weiter geht's fasst immer leicht bergab oder flach über Meddersheim, durch Bad-Sobernheim, am Barfuß-Wanderweg entlang, bis hinter Staudernheim. Hier schieben wir nochmals eine kleine Rast ein.
Hinter Boos bei Schlossböckelheim wird der Radweg ungleich reizvoller. Über Weinberge zwischen felsigen Hängen hindurch führt uns der Weg wieder direkt an die Nahe und leitet uns über Oberhausen (an der Nahe) mit Rudersportzentrum und entlang an Schrebergärten und Wochenendhäusern nach Niederhausen und Norheim.
Am Ortseingang Bad Münster am Stein können wir dem Sommerfest des örtlichen Fußballvereins nicht wiederstehen und genehmigen uns einen kleinen Imbiss und eine Erfrischung.
Weiter führt uns unser Weg vorbei an den zahlreichen Salinen durch die Kuranlagen von Bad Münster am Stein und wir gelangen fast ohne merkliche Veränderung des Streckenbildes nach Bad Kreuznach. Hier verlieren wir zunächst unseren Radweg. Wir halten uns Richtung Stadtkern und finden auch bald wieder unser mittlerweile vertrautes, gelbes Schild des Nahe-Radweges.
In Höhe Bretzenheim hat uns die Regenfront eingeholt und begleitet uns "treu" die letzten 10 Km bis zur Nahemündung und unserem Etappenziel der Jugendherberge in Bingen.
Nach einer kleinen Erholung und in neuer trockener Kleidung bewundern wir vom Fenster unseres Zimmers aus den herrlichen Ausblick auf die Stadt Bingen, den Rhein und das fantastische Feuerwerk beim jährlichen Spektakel "Der Rhein in Flammen".









3. Etappe: Bingen – F.-Höchst
Km: 75
Fahrzeit: 4h 20'
Wind: West; 3-4

Noch etwas mitgenommen von der abendlichen Show, besteigen wir um 8:00 Uhr die Räder zur 3. Etappe.
Nach der Ortsdurchfahrt Bingen und Kempten radeln wir an Gaulsheim wieder auf einem ruhigen Radweg. Wir kommen an Ingelheim und Heidenfahrt vorbei und sind fast immer von Obstplantagen und Rhein-Auen umgeben. Hinter Heidenfahrt in der Eltviller Aue machen wir, nach etwa 20 Km, unsere 1. Rast und genießen den fantastischen Blick den man von hier auf den Rhein hat.
Die weitere Strecke führt uns über teilweise geschotterte Wege durch Schrebergärten über Budenheim und Mombach.
In Mainz werden wir, gut gekennzeichnet und gesichert, an den Hauptverkehrsstraßen vorbeigeleitet. Erst hinter dem Hafen gelangen wir wieder an die Rheinpromenade.
Wir verzichten auf eine nähere Besichtigung der Altstadt und fahren über die Theodor-Heus-Brücke zur rechten Rheinseite. Gleich hinter der Brücke werden wir entlang dem Rhein nach Kostheim und weiter zur Main-Mündung geleitet. Ab hier werden wir nun dem Verlauf des Main's bis Frankfurt-Höchst folgen.
Wir halten uns an den gut ausgeschilderten Radweg und kommen durch Falkenberg, Flörsheim und Eddersheim. Dass wir für uns günstigen Rückenwind haben sehen wir deutlich an den Radlern die uns entgegenfahren und mächtig gegen den Wind ankämpfen.
In Eddersheim bleiben wir auf der rechten Mainseite auf dem Radweg nach Okriftel.
Wir befinden uns nun am Stadtrand von Frankfurt. Die Landschaft wird immer häufiger durch Siedlungen abgelöst. Dennoch fährt es sich angenehm auf den Radwegen durch Okriftel und Sindlingen. Erst im Stadtteil Höchst kommen wir wieder stärker mit dem Autoverkehr in Berührung, gelangen aber schnell in den Altstadtbereich und an die Mündung der Nidda. Genau in dieser Mündung liegt unser Hotelschiff und damit das Ziel unserer 3. Etappe.
Nach einem guten Essen mit KöPi in der historischen Altstadt , schlendern wir noch über das Höchster-Schlossfest, bevor wir uns in unserer Schiffskoje von den leichten Wellen der Nidda und des Main in den Schlaf wiegen lassen.






4. Etappe: F.-Höchst-Altenstadt
Km: 67
Fahrzeit: 4h
Wind: West; 2-3

So früh wie sonst nie, gegen 7:45 Uhr, geht's von unserem Hotel-Schiff in die letzte Etappe. Direkt vor "unserer Haustür" beginnt der Radweg entlang der Nidda. Er führt uns schon nach 50 m , nach dem wir die Nidda über eine Holzbrücke überquert haben, durch eine Parkanlage in F.-Höchst.
Der Weg führt uns unter tiefen Brücken hindurch und immer direkt an dem kleinen aber reizvollen Flüsschen Nidda entlang. Wir durchqueren auf diesem Weg die Ortsteile Sossenheim, Rödelheim, Hausen, Praunheim, Hedernheim und Eschersheim. Ab der Höhe Bonames wird der Alleenbestand, bis zu unserer 1. Rast in Bad Vilbel, immer mächtiger und reizvoller. Ständig hat man den Eindruck einen Kurpark zu durchqueren.
In Dorteweil wechseln wir an der Mündung der Nidder wieder die Seite und fahren rechts entlang der Nidda durch die Orte Klein- und Großkarben.
Weiter geht es über Okarben, dann streifen wir Ilbenstadt bis wir in Assenheim kurz die Nidda verlassen um die Wetter an ihrer Mündung zu überqueren. Hier ist uns der weitere Verlauf etwas unklar. Wir erhalten aber umfassende Auskunft durch einen Einheimischen, der die Anstreicharbeiten seines Gartenzaunes gerne für uns unterbricht.
Neu ausgerichtet fahren wir entlang der Nidda ein kurzes Stück Richtung Süden, bis sie nach etwa 800m im weiten Bogen wieder in Nord-Östliche Richtung verläuft.
Kurz vor Wickstadt verlassen wir den geführten Radweg und schlagen rechts einen geteerten Landwirtschaftsweg Richtung Osten ein, der uns in ein großes Waldgebiet führt. Vorbei an einer aufwendig gestalteten Wallfahrtskirche gelangen wir immer tiefer in den Wald und erfahren von einer hilfreichen Einheimischen, die sich an einem mitten im Wald gelegenen Fachwerkhaus aufhält, wie wir am schnellsten aus dem Wald herausfinden und auf die Landstraße Richtung Altenstadt gelangen.
Nach einigen kleinen Unklarheiten und eingehenden Studium unseres Kartenmaterials gelangen wir entlang des Kloster Engelthal auf die Landstraße nach Altenstadt und sind nach weiteren 10 Minuten und genau 300 Km und 18h Fahrzeit auf dem Rad, wohlbehalten in unsrem Ziel Altenstadt-Oberau eingetroffen.